Drehbuch zum Gesundheitstag

Bild von stephan

Bei einem großen Mittelständler haben wir einen Gesundheitstag mitgestaltet. Unser Part war eine Einführung und Sensibilisierung für das Thema Gesundheit

und die eigenen Ressourcen sowie eine Bestimmung des Risikos für Herz-Kreislauf-Krankheiten für die nächsten 10 Jahre. Danach folgten weitere Stationen mit Beratung zu den Themen Ernährung und Bewegung. Die Teilnehmer kamen in 2er oder 3er-Gruppen zunächst zu mir und ich habe die Einstimmung übernommen. Im Laufe der Zeit hat sich ein Drehbuch ergeben, das offenbar gut angekommen ist und gewirkt hat. Nachfolgend finden Sie dieses Drehbuch. Zunächst habe ich nach der eigenen Definition von Gesundheit gefragt. „Was ist Ihre Definition? Was ist Ihr Verständnis von Gesundheit?“ Jeder hat da etwas anderes in Kopf. Und auf das kommt es an und nicht auf das, was ein Gesundheitsberater im Kopf hat. Zum Abgleich habe ich die Definition der WHO angeboten, in der Gesundheit als mehr beschrieben wird, als die Abwesenheit von Krankheit. Von vollständigem körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden ist da die Rede. Das ist natürlich eine ideale Vorstellung und führt zur Frage, wann man denn das letzte Mal „gesund“ war im Sinne dieser Definition. Es wurde deutlich, dass es keine schwarz-weiß-Unterscheidung zwischen gesund und krank gibt, sondern eher ein breites Spektrum zwischen diesen Polen. Und dazwischen können wir uns bewegen, und egal wo wir uns gerade befinden, tragen unsere (täglichen) Handlungen dazu bei. Selbst bei schwerer Krankheit kann ich Dinge tun, die mich etwas gesünder werden lassen. Mark Twain sagt: „Gesundheit ist ganz einfach“. Man müsse nur die Dinge essen, die man nicht mag, das trinken, was man verabscheut und tun, was man lieber nicht täte. Diese Sicht reflektiert das negative Bild, das viele von Gesundheit oder besser von gesundem Verhalten haben. Nach meiner Erfahrung denken so mindestens 80 Prozent. Es lohnt sich, diese Einstellung auf seine Auswirkungen zu überprüfen. Ist meine Gesundheit eine Ressource die mir Kraft und Rückhalt gibt, auch wenn es mal stressiger wird? Kann gesundes Verhalten ein Ausgleich sein zu sonstigen Belastungen? Oder ist gesundes Verhalten eine weitere Aufgabe auf der To-Do-Liste, die genau dann, wenn es viel wird als erstes gestrichen wird. Wie ist das bei Ihnen? Die WHO-Definition hat Säulen von Gesundheit vorgeschlagen: Körper, Geist und soziales Miteinander. Am Beispiel Stress habe ich die Verquickung der Bereiche verdeutlicht. Das Telefon klingelt, eine bestimmte Nummer erscheint im Display, der Atem wird flach und schnell, die Muskeln spannen an, die Schultern ziehen nach oben. Es wird lebendig deutlich, wie meine unwillkürlichen Gedanken – ich habe das Gespräch noch nicht mal angenommen –auf den Körper wirken. Die Wirkung auf die Säule der sozialen Beziehungen habe ich hier gar nicht mal angesprochen, ansonsten wäre das Drehbuch wohl ausgeufert. Bei aller Teilnehmerorientierung und Individualität musste doch ein Zeitplan eingehalten werden. Zur körperlichen Wirkung gehört auch die Aktivierung des Herzens mit einer Erhöhung des Blutdrucks und auch eine Ausschüttung von Energie ins Blut. Hier sollte deutlich werden: Was kurzfristig gute und leistungssteigernde Aktivierung bedeutet, das ist langfristig möglicherweise ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hier erfolgte eine Überleitung zur PROCAM-Diagnostik des Herzinfarktrisikoprofils der Kollegen an der nachfolgenden Station. Es wurde kurz erläutert, wie in der Wissenschaft Risikofaktoren gefunden und bewertet werden. Welche Daten dahinterstecken und wie valide unsere Risikoabschätzung ist. Die Teilnehmer sollten selbst entwickeln, welche unbeeinflussbaren Risikofaktoren ihnen einfallen und dann welche beeinflussbaren Risikofaktoren ihnen in den Sinn kommen. Die Idee war wiederum, die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu fokussieren. Abschließend habe ich noch betont, dass es nicht meine Idee von Gesundheitsförderung ist, alles perfekt zu machen, aber dass es, wenn gewünscht, ein Gewinn sein kann, sich ein kleines Stückchen auf dem breiten Spektrum zwischen krank und gesund zu bewegen. Beispiel war die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung „5 am Tag“ – gemeint sind Portionen Obst und Gemüse. Es kommt weniger darauf an, die sinnvolle Empfehlung zu „schaffen“, sondern eher darauf, zu schauen wo stehe ich gerade jetzt und wie kann ich ein kleines Stückchen „besser“ werden.
Mit den Worten des großen Tennisspielers Arthur Ashe: „Start where you are. Use what you have. Do what you can.“ Vielleicht ist das Drehbuch gut angekommen, weil es nicht den von Beratern fast schon erwarteten erhobenen Zeigefinger zeigte? Stattdessen betont es die eigene Verantwortung und die eigenen Ressourcen. Welcher Fokus hat die günstigeren Auswirkungen?

Bleiben Sie erfolgreich gesund! Wenn Sie wollen.

Dazugehöriger Literaturtipp: 

Gelassen und sicher im Stress

Für Stressgeplagte zur Selbsthilfe, als verständliche Begleitlektüre bei Stressbewältigungskursen oder im Rahmen einer Beratung. Stress kennt fast jeder und viele leiden unter den negativen Folgen von Dauerstress.Was also tun? In seinem neuen Buch zeigt Gert Kaluza, Deutschlands führender Experte in Sachen Stressmanagement, vielfältige Handlungsmöglichkeiten auf und macht Mut für den eigenen Weg zu einem gelassenen und gesunden Umgang mit Stressbelastungen in Beruf und Alltag.

Gesunde Ernährung für Vielbeschäftigte

Versuch einer Quadratur des Kreises (Quelle: amazon.de) Wollen tun es alle: sich gesund ernähren. Meistens fällt der gute Vorsatz aber dem Alltagsstress zum Opfer. Der Kühlschrank gibt nichts für ein anständiges Frühstück her, durch die Meetings schlägt man sich mit Schnittchen und Keksen und abends ertönen die Wünsche der Kinder nach Pizza, Pasta und Pommes. Die immer wieder neuen Botschaften von vermeintlichen Ernährungsexperten und Lebensmittelskandale tun ihr Übriges. Gesunde Ernährung - für Vielbeschäftigte scheint das ein nicht realisierbares Ideal. Dabei ist es so einfach: Fünf goldene Regeln fürs gesunde Essen. Tipps für ein cleveres Zeitmanagement rund ums Einkaufen und Zubereiten. Und schnelle Express-Rezepte, mit denen man in Null-Komma-Nix gesunde Gerichte zaubert. Mit diesem Buch schaffen es alle, die bisher ihr knappes Zeitbudget als Hindernis fürs gesunde Essen sahen: Manager, Außendienstler, freizeitgestresste Paare und entnervte Vollzeit-Eltern.
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