Das Thema Übergewicht im Talk bei Maischberger in der ARD

Gestern am späten Abend ging es bei Sandra Maischberger im TV Talk um das kontroverse und für immer mehr Menschen wichtige Thema Übergewicht. Sehr widersprüchliche Positionen trafen aufeinander.
Die beiden ärztlichen Positionen lassen sich pointiert folgendermassen darstellen. Eine (untergewichtige) Arztin sprach davon, dass alles eine Frage der Disziplin sei, während Dr. Frank Anlagefaktoren ins Spiel brachte und Stressbelastungen ins Feld führte.
Letztere These muss nach meiner Überzeugung unbedingt ernst genommen werden. Wir wissen, dass Abnehmen kurzfristig mit geeigneten Maßnahmen in den Bereichen Ernährung und/oder Bewegung sehr gut möglich ist. Spannend wird es aber bei der Fage der Nachhaltigkeit. Wird ein vernünftiges Gewicht gehalten oder folgt ein Jojo-Effekt? Langfristig kann niemand sein Verhalten “kontrollieren”, im Sinne von anders handeln, als es ihm liegt und er es gewohnt ist. Unser Essverhalten wird nicht im Großhirn gesteuert. Spätestens bei Stress und emotionalen Krisen übernimmt das Stammhirn die Regie. In Studien konnte gezeigt werden, das diejenigen, die eine Disposition zum Übergewicht haben unter emotionaler Belastung dann tatsächlich zunehmen. Emotionale Belastung kann dabei für einen leicht Übergewichtigen auch sein, dass er ständig mit dem Thema privat, beruflich oder medial konfrontiert wird. Dabei ist die Aussage fast immer: “Selber schuld. Warum bist du auch so undiszipliniert und faul?”
Die Folgerung von Dr. Frank ist die, seinen Patienten Verantwortung und Schuldgefühle zu nehmen. Sie erleben weniger Stress und nehmen ab.
Die Gegenposition der Arztin geht davon aus, dass es gilt, gerade an die Disziplin zu appellieren und die nachweislich wirksamen Methoden anzuwenden. In diesem Bereich sind auch die Gesetzlichen Krankenkassen aktiv, indem sie Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen fördern, die der Gewichtsreduktion dienen sollen. Der Autor Dr. Frank verwirft nun leider genau diese Programme und behauptet diese würden ihrerseits wieder Stress auslösen und neues Übergewicht fördern.
Diese Position ist natürlich übertrieben und vermutlich dazu gedacht sein Profil zu schärfen und das Buch besser zu verkaufen. Tatsächlich sind die langfristigen Programme, wie zum Beispiel M.O.B.I.L.I.S. durchaus erfolgreich. Auch und gerade gemessen an den Kriterien der Deutschen Adipositas Gesellschaft, die auf die Langfristigkeit abstellen.
Bevor SIE ans Abnehmen denken, überprüfen Sie bitte immer, warum Sie eigentlich abnehmen wollen. Wenn Gesundheit und Wohlbefinden im Vordergrund stehen und keine fraglichen Ideale von außen, dann denken Sie langfristig und beachten Sie folgende Punkte.
“Erfolgreich gesund” abnehmen bedeutet:
- **den Ist-Zustand erheben
- Bewegungs- und Ernährungsverhalten analysieren
- realistische und vernünftige Ziel setzen
- konkrete Pläne erarbeiten
- die Individualität beachten
- die Rahmenbedingungen einbeziehen
- die Pläne anwenden und ständig anpassen
- Erfolge kontrollieren und feiern
- langfristig Gewohnheiten ändern**
Wichtig ist es, die dickmachenden Gewohnheiten zu erkennen und dort Änderungen vorzunehmen, wo das möglich ist. Um gerade zusätzlichen Stress zu vermeiden. Nur auf den Stress abzustellen greift aber sicherlich zu kurz. Nach eingehender Analyse ist es wichtig, grundlegende Informationen zu geben über Ernährung und Bewegung. “Wissen ist Handeln” - oder besser: eine wichtige Voraussetzung dafür. Dann muß das Verhalten nach und nach geändert werden. Und zwar dort wo es einerseits praktikabel ist und andererseits auch wirkungsvoll. Nur so gibt es Erfolge, die auch langfristig erhalten bleiben.
Bleiben Sie erfolgreich gesund!
Ihr Stephan Brauner
Lizenz zum Essen
zum Zusammenhang zwischen Stress und Übergewicht
Frank beschreibt Zusammenhänge zwischen Stress und Übergewicht. Auch wenn er zuweilen über das Ziel hinausschießt, sollte man seine Thesen in der Beratung immer mit bedenken. Er ist der Meinung, Menschen mit entsprechender Veranlagung würden übergewichtig, wenn sie in Stress gerieten, zum Beispiel auch dann, wenn sie sich auf äußeren und inneren Druck hin ständig mit Gewicht und dem Thema Essen auseinandersetzten.
Das ist zum Teil richtig, leider übertreibt der Autor in seinen Folgerungen und verdammt alle -auch nachweislich erfolgreichen- Programme zur Gewichtsreduktion als stressauslösend und damit dickmachend.
Der Autor schreibt kenntnisreich und beleuchtet viele Facetten. Wohl auch um eine populäre Position zu besetzen, argumentiert es in der Schlußfolgerung nicht immer sauber. Fazit: hochinteressant - aber bitte kritisch lesen!
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